Die Overwatch Beta – ein vorläufiges Fazit

Blizzard steigt mit Overwatch in das Genre Arena-Shooter ein. Am 21. Juni wird der voraussichtliche Termin für das Erscheinen von Overwatch sein und bis dahin gewährte Blizzard bereits Einblicke in Form von Beta-Zugängen. Der bisherige Eindruck zum aktuellen Stand des Spiels:

Wie bereits zu Beginn erwähnt, ist Overwatch ein Arena-Shooter, bei dem zwei Teams mit jeweils sechs Mitgliedern in verschiedenen Modi gegeneinander antreten. Momentan stehen dabei drei unterschiedliche Spielmodi zur Auswahl: Punkteinnahme, Frachteskorte und Punktkontrolle. Zusätzlich dazu gibt es noch eine Mischung aus Frachteskorte und Punkteinnahme.

Punkteinnahme: Hier kämpfen beide Teams in zwei Phasen um ein kleines Gebiet auf der Karte. Die Verteidiger müssen die Angreifer daran hindern, den ersten Punkt einzunehmen. Die Angreifer hingegen müssen vor Ablauf der Zeit die Kontrolle über den Punkt erreichen, ansonsten ist der Kampf verloren. Gelingt den Angreifern die Einnahme des ersten Punktes, ziehen sie sich die Verteidiger auf den zweiten Punkt zurück und versuchen diesen ebenfalls nicht aus der Hand zu geben, bis entweder die Zeit abgelaufen ist oder der Angreifer die Kontrolle übernommen hat.

Frachteskorte: In diesem Modus ist es die Aufgabe des Angreifers, ein beladenes Fahrzeug über eine vorgeschriebene Route zu eskortieren und am Zielpunkt anzukommen, bevor die Zeit abgelaufen ist. Die Verteidiger versuchen dies natürlich ihrerseits zu verhindern, indem sie das Fortschreiten des Fahrzeugs verzögern.

Punktkontrolle: Dieser Spielmodus ist in drei Phasen unterteilt, in denen beide Teams einen Punkt auf der Karte einnehmen und diesen dann über eine bestimmte Zeitspanne unter Kontrolle halten müssen. Der Sieger aus Runde eins muss sich in der folgenden Runde ebenfalls behaupten, ansonsten folgt Runde drei mit der finalen Entscheidung über den letztendlichen Sieger des Matches.

Jeder Spielmodus wird auf speziell dafür vorgesehenen Maps gespielt, von denen es momentan insgesamt zehn gibt. Mit der zweiten Welle von Beta-Einladungen kamen durch den Modus „Kontrolle“ zwei neue Karten dazu und hoben somit die ursprüngliche Kartenanzahl von acht auf zehn. Allerdings lässt sich beim Betreten der Spielwarteschlange nicht festlegen, ob man eine bestimmte Karte oder einen bestimmten Spielmodus wählen möchte, die Matchzusammentstellung geschieht zufällig.

Overwatch7

Wird nach einer gewissen Wartezeit ein Spiel gefunden (In der Beta dauerte dies im Schnitt ungefähr 1-2 Minuten), gilt es, ein geeignetes Team für den gewählten Modus zu finden. Dabei wird auch zwischen Angreifer- und Verteidigerrolle unterschieden. Unter Beachtung dieser Faktoren sollte jedes Teammitglied darauf achten, eine gute Synergie mit den anderen fünf Helden zu finden, um die Runde erfolgreich abschließen zu können. Dabei hilft das Spiel auch selbst mit, indem es auf das Fehlen bestimmter Heldenarten wie Unterstützung, Tank, Offensiv oder Defensiv hinweist. Natürlich kann man diese Tips auch ignorieren und einfach seinen Lieblingshelden wählen, dadurch kann es aber merklich schwerer werden, sich gegen das gegnerische, eventuell besser aufgestellte Team, zu behaupten. Eine ausgeglichene Kombo ist hier also essentiell. Dennoch ist es auch möglich, sechs mal den gleichen Helden auszuwählen, was in einigen Situationen tatsächlich beinahe übermächtig ist. Beispielsweise ist der Held Torbjörn in sechsfacher Ausgabe als Verteidiger eines Punktes fast nicht kleinzukriegen, da er ein automatisch feuerndes Geschütz aufstellen kann, das jeden Gegner in Reichweite aufs Korn nimmt. Glücklicherweise sind viele Karten so konzipiert, dass es immer noch Zugangswege von der Seite gibt, durch die man das gegnerische Team wunderbar flankieren kann. Trotzdem ist die Wahlmöglichkeit von gleichen Kämpfern nicht ganz optimal gelöst, denn in einigen Situationen sind viele gleiche Helden einfach zu stark. Dahingehend wäre es vielleicht eine Überlegung wert, die Anzahl gleicher Helden in einem Team auf maximal zwei zu setzen und zu sehen, wie die Spieler darauf reagieren. Denn mit dieser Änderung könnte man dann natürlich nicht immer seinen Lieblingshelden spielen.

Overwatch3

Das Fortschrittssystem

Mit der zweiten Runde der geschlossenen Beta gab es dann auch endlich einen besseren Einblick in das Fortschrittssystem von Overwatch. Durch die Teilnahme an Matches erhält man am Ende jedes Spiels eine bestimmte Menge von Erfahrungspunkten, die abhängig von Sieg und Niederlage oder besonderen Leistungen (am meisten Schaden verursacht, Heilung an Teammitgliedern, etc.) in Form von Medallien, berechnet werden. Durch diese Punkte steigt man in Overwatch dann Level auf, wobei man mit jedem Levelanstieg eine sogenannte Lootbox erhält, in der sich die verschiedensten Kosmetikgegenstände für die Helden befinden: Alternative Sprüche für Helden, Skins, Spraytags, Animationen, Spielericons oder Emotes. Damit kann jeder Spieler seine Helden individuell gestalten, erhält aber keine Vorteile im Spiel gegenüber anderen. Die Wertigkeit der gefundenen Gegenstände unterteilt sich dabei in die Kategorien Gewöhnlich, Selten (blau), Episch (violett) und Legendär (orange). Sollte man einen Gegenstand aus einer Lootbox bereits besitzen, wird dieser automatisch in Credits umgewandelt, mit denen man sich beispielsweise seltene Skins kaufen kann. Bei Release des Spiels soll es dann auch möglich sein, diese Lootboxen mit Echtgeld zu erwerben.

Overwatch2 Overwatch1 Overwatch4

Easy to learn, Hard to master

Natürlich arbeitet Blizzard durchgehend an der Verbesserung des Balancings, für die der Entwickler von Warcraft oder Starcraft sowieso schon ein Händchen bewiesen hat und das man auch in Overwatch deutlich bemerkt. Denn jeder Held hat seine eigenen Spielweise, mit der er bestimmte andere Helden kontert, aber gleichzeitig auch wiederum anfällig für bestimmte Feinde ist. Daher bieten die bis jetzt 21 spielbaren Charaktere bereits eine große Bandbreite an Abwechslung und Kombinationsmöglichkeiten. Im Kampf verfügt jeder Spieler über bestimmte Fähigkeiten, die damit auch die vorgesehene Spielweise des jeweiligen Helden definieren. Als Widowmaker, die sich mit Scharfschützengewehr und Enterhaken über das Spielfeld bewegt, sollte man natürlich auf Abstand bleiben und Feinden aus der Ferne zusetzen. Als der Explosionsexperte Junkrat geht es vor allem um die richtige Positionierung im Kampf, um mit Bomben und Fallen möglichst viel Schaden anzurichten, aber aufgrund der sehr geringen Lebensanzeige nicht in den direkten Schusswechsel zu geraten. Nicht jeder Charakter spielt sich daher gleich und ist in jeder Situation gleich gut geeignet. Als Spieler sollte man daher die Stärken und Schwächen seines Helden kennen und diese zum Vorteil des Teams ausnutzen, denn ansonsten ist die Niederlage vorprogrammiert. Das kann dann auch mal bedeuten, dass man während des Kampfes den Helden und damit eventuell auch seine Spielweise ändern muss, um das Gefecht zugunsten des eigenen Teams zu drehen.

Overwatch10

In einer Beta-Phase ist natürlich nicht jede Ecke blank poliert, bis vor kurzem waren die Defensiv-Helden Torbjörn und Bastion in der Rolle des Verteidigers beinahe Pflichtwahl, um sich gegen den Angreifer behaupten zu können. Mit dem aktuellen Patch gab es allerdings sinnvolle Änderung an diesen beiden und noch weiteren Helden, die das Spielgefühl merklich verbesserten. Overwatch bewegt sich also momentan konstant in die richtige Richtung, was Balancing angeht. Und auch beim Gameplay ist der Arena-Shooter sehr präzise, was durch die sehr stabile Performance noch unterstützt wird. Durch den Comic-Grafikstil des Spiels wird im Gegensatz zu einem Battlefield oder ähnlich realistisch gehaltenen Shootern nämlich deutlich an Leistung gespart. Für ein Spiel wie Overwatch ist das natürlich absolut ideal, denn in einem so schnellen Shooter haben niedrige FPS oder Lags nichts zu suchen, mit dem Grafikstil ist man hier den deutlich sinnvollsten Kompromiss eingegangen.

Overwatch9 Overwatch8

Der Comic-Stil mag nicht jedem zusagen, dient seiner Sache aber einwandfrei und wirkt trotzdem nicht zu albern oder gar hässlich. Trotzdem kann man ab und an auch mal den Überblick im Gefecht verlieren, wenn aus allen Richtungen farbenfrohe Explosionen und Mündungsfeuer aufleuchten. Zudem scheint es an einigen wenigen Stellen auch Probleme mit der Beleuchtung zu geben. Beim Verlassen von Räumen kommt es vor, dass man vom Sonnenlicht geblendet wird, was natürlich realistisch ist, dem Gegner, der von Außen problemlos nach Innen schauen kann, aber einen Vorteil verschafft. Außerdem gibt es an einigen Stellen der Maps (bsp.: Hanamura) wirklich vollkommen finstere Ecken, die in einem Kampf wirklich sehr verwirrend sein können, da man sich nicht orientieren kann.

Overwatch6 Overwatch5

Ob beabsichtigt oder nicht, es ist dem Gameplay in diesem Fall eher hinderlich und entspricht auch nicht der ansonsten üblichen Ausleuchtung. Was die Leistung der Server angeht, hat sich Blizzard nicht überschätzt, denn die Verbindungen scheinen während meiner Spielzeit durchweg zu funktionieren, relativ zu Beginn der Beta gab es zwar ein paar kleinere Störungen, die waren aber bereits am gleichen Tag wieder behoben. Spannend wird dann noch, wenn die offene Beta verfügbar ist und sich die Overwatch-Server einem wirklichen Stress-Test unterziehen müssen.

BenjaminMünster2Overwatch ist schnell, Overwatch ist chaotisch und Overwatch macht Spaß! Als Arena-Shooter wollte sich die Begeisterung nach den ersten Trailern nicht wirklich einstellen, denn dieses Genre hat seine besseren Tage durchaus schon hinter sich gebracht. Doch Blizzard hat mit diesem Titel durchaus Erfolgschancen, sollte sich das Spiel in die Richtung entwickeln, die sich bislang abzeichnet. Eine gute Mischung aus flottem Gameplay, facettenreichen Helden und abwechslungsreichen Spielmodi könnte dem Genre wieder Leben einhauchen. Die aktuelle Beta fühlt sich wirklich ausgezeichnet an und bietet Blizzard die Möglichkeit, Features und Balancing-Veränderungen auszuprobieren, um zu Release das optimale Spielerlebnis bieten zu können. Bislang ist Overwatch ein frischer und abwechslungsreicher Shooter, bei dem es gleichzeitig auf Teamwork und individuelle Fähigkeiten ankommt. Was für die Langzeitmotivation seitens des Entwicklers noch vorgesehen ist, bleibt noch abzuwarten, auch das Hinzufügen neuer Inhalte nach Release wird noch interessant. Für den Moment ist Overwatch auf jeden Fall ein wirklich vielversprechendes Spiel.

5.998 Gedanken zu „Die Overwatch Beta – ein vorläufiges Fazit“